Liebe Presse,

Gentrifizierung ist in aller Munde und genießt verdientermaßen sozialpolitische Aufmerksamkeit, insbesondere in den Medien. Wir möchten unser Projekt nicht in diesem Zusammenhang sehen und unser Haus nicht als Symbol für Verdrängung stehen lassen.

Auch im Fall der Eigenbedarfsklage ist die Lage nicht so, wie sie von der betroffenen Partei gern öffentlich dargestellt wird.

Die "Pressemappe", in der einige unserer MieterInnen Artikel über unsere Modernisierung und ihre Sicht der Begleitumstände zusammengestellt haben, wird laufend dicker. Die wenigsten der verantwortlichen Verfasser haben allerdings mit uns gesprochen und die Beiträge der Journalisten, die mit uns gesprochen haben, fallen differenzierter aus.

Wir finden es sehr fragwürdig, wenn zum Teil extreme Positionen einzelner Mieter dargestellt werden, ohne dass deren Wahrheitsgehalt auch nur irgendwie überprüft wurde. Es ist sicher kein Zufall, dass immer wieder die gleichen Fälle geschildert werden, an Hand derer gezeigt werden soll wie rücksichtslos wir sind. Seit geraumer Zeit wird der Protest/Widerstand vorwiegend von einer begrenzten Anzahl unserer Mietparteien aufrecht erhalten, dies aber mit einer Vehemenz, die uns schockiert und die wir angesichts der jeweiligen Faktenlage nicht nachvollziehen können. Bislang haben wir darauf verzichtet, öffentlich darzustellen, wie die Details bei einigen dieser Mietparteien liegen. Selbst als nicht unerhebliche Sachbeschädigungen und persönliche Anfeindungen dazu kamen, haben wir gehofft, durch Zurückhaltung die Lage zu beruhigen.

Leider gab es am 23.12.0212 einen schweren Brand im Keller des Weichselplatz 8. Die Polizei geht derzeit von mutwilliger Brandstiftung aus und es ist nicht auszuschließen, dass die Tat in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um die Modernisierung zu sehen ist. Wir glauben nicht, dass eine unserer Mietparteien damit etwas zu tun hat, aber möglicherweise wurden Dritte durch die Beiträge im Internet dazu verleitet, im Keller eines bewohnten Hauses ein Feuer zu legen. Vor diesem Hintergrund halten wir es für nötig Beispiele offen zu legen, in denen die Faktenlage zu anscheinend unüberbrückbaren Fronten geführt hat.

Beispiel 1
Eine allein erziehende Mutter, die von ALG 2 leben muss, sagt oft, dass sie nur "mit Hilfe des Mietervereins" ihren Verbleib in der Wohnung erreichen konnte. Andererseits rechnet dieselbe Mieterin später vor, dass sie nach der Modernisierung ausziehen müsste. Dies widerspricht sich nicht nur, letztendlich ist beides unwahr: Wir haben der Mieterin am 11.11.2010 schriftlich ein Angebot unterbreitet, dass den Verbleib in ihrer Wohnung mindestens für 10 Jahre sicherstellt. Der Mieterverein hat uns deutlich später, am 11.02.2011, kontaktiert. Wir haben dann Vereinbarungen getroffen, die unserem Vorschlag entsprachen - Vereinbarungen die wir von uns aus und ohne jedes Mitwirken eines Mietervereines angeboten hatten. Wir können all dies nachweisen, bitte kommen Sie auf uns zu. Trotz den getroffenen Vereinbarungen stellt sich diese Mieterin weiterhin als Opfer dar.

Beispiel 2
Ein anderer Fall betrifft zwei Menschen, die für 171 qm 596,27 Euro Bruttokaltmiete bezahlen. Er musste gerichtlich geklärt werden, da in den vorangegangenen Gesprächen kein Angebot von der Mietpartei vorgelegt wurde. Das Urteil sieht eine Lösung vor, bei der die zwei Personen im Haus wohnen bleiben und nach der Modernisierung für ihre dann verkleinerte Wohnung von 112 qm inkl. Modernisierungsumlage eine Bruttokaltmiete von 605,- Euro bezahlen.

Beispiel 3
Kurz vor der gerichtlichen Klärung ist der Fall einer Mietpartei, mit der wir oft und lang gesprochen haben, um einen Kompromiss zu finden. Unser letztes Angebot lag bei einer Erhöhung von 100.- Euro auf dann 699.- Euro Nettokaltmiete (für eine Wohnung mit 120 qm und drei erwachsenen Bewohnern). Dies wurde von der Mietpartei abgelehnt, leider war sie erst in den darauf folgenden Gerichtsverhandlungen bereit, ihre wirtschaftliche Lage offen zu legen.

Beispiel 4
Eine Mietpartei, die ihre Modernisierungs-Mieterhöhung von 180.- Euro anprangert. Wir haben mit dieser Partei (drei Personen auf 120 qm) mehrmals verhandelt, unser Vorschlag war eine Erhöhung von 130.- Euro. Als nach über 6 Monaten klar wurde, dass auf dem Verhandlungsweg kein höheres Angebot als 23.- Euro zu erreichen war, haben wir ein Gerichtsverfahren angestrengt. Dort wurde die Mieterhöhung (nach Offenlegung der Einkünfte!) auf eine stufenweise Erhöhung festgesetzt, die nach 3 Jahren 180 Euro erreicht. Wir hätten uns gern ohne Gerichtsverfahren auf eine Erhöhung unter 180 und auch unter 130 Euro geeinigt. Die Miete nach Erhöhung liegt dann in drei Jahren bei 6,- Euro netto kalt/qm.